„Mein Herz schlägt für Jerusalem, darum kann ich nicht schweigen. Ich halte mich nicht zurück, bis Gottes Hilfe über der Stadt auf dem Berg Zion ausstrahlt wie die Morgensonne, bis ihre Rettung aufleuchtet wie ein heller Schein bei der Nacht.“
Jesaja 62,1
Liebe Freunde,
Israel im Fokus stellt unser fortwährendes Bestreben dar, die Geschichten hinter den Schlagzeilen zu erzählen, um Euch ein tieferes Verständnis für die Kämpfe, Opfer und Triumphe zu vermitteln, die sich hier in Israel abspielen. In diesem Monat schreiben wir Euch nicht über ein Schlachtfeld oder eine Grenzstadt. Wir schreiben über ein Dokument. Es wurde in Bethlehem vorgestellt, richtet sich an die weltweite Kirche und ist möglicherweise bereits in einer Gemeinde in eurer Nähe im Umlauf. Es trägt den Titel „Kairos Palestine II“. Wir sind der Überzeugung, dass jeder Gläubige, der Israel liebt – insbesondere in den Vereinigten Staaten und im Vereinigten Königreich –, wissen muss, was darin steht.
Was ist „Kairos Palestine II“?
Im November 2025 veröffentlichte eine Organisation namens „Kairos Palestine“, die sich selbst als christlich-palästinensische Bewegung bezeichnet, ein neues theologisches und politisches Manifest mit dem Titel „A Moment of Truth: Faith in the Time of Genocide“ (Ein Moment der Wahrheit: Glaube in Zeiten des Völkermords). Es wurde auf einer Konferenz in Bethlehem anlässlich des sechzehnten Jahrestags des ursprünglichen „Kairos Palestine“-Dokuments von 2009 veröffentlicht und als erneuter moralischer Appell an Kirchen auf der ganzen Welt präsentiert.
Um das neue Dokument zu verstehen, ist es hilfreich, sich an das erste zu erinnern. Das Kairos-Dokument von 2009 leugnete aus theologischer Sicht die historische Verbindung des jüdischen Volkes zum Land Israel und bezeichnete den Terrorismus als legitimen Widerstand. Jüdische Führungspersönlichkeiten und Organisationen verurteilten es auf breiter Front. Rabbinische Stimmen wiesen darauf hin, dass es die alte supersessionistische Behauptung wiederbelebte, wonach die Tora ohne die christliche Offenbarung ein toter Buchstabe sei – eine Idee, von der sich die meisten Mainstream-Konfessionen schon vor Generationen verabschiedet haben. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum bezeichnete es als revisionistisches Dokument, das von Hass auf Israel und Verachtung gegenüber Juden geprägt sei. Dennoch kursiert es seit mehr als fünfzehn Jahren in Kirchen und Aktivistennetzwerken als Instrument für Boykottkampagnen.
„Kairos Palestine II“ stellt keine Abmilderung dieses Erbes dar. Laut einer detaillierten Analyse, die im Januar 2026 von der Forschungsorganisation NGO Monitor veröffentlicht wurde, führt das neue Dokument dieses Erbe fort und verstärkt es sogar noch.
Was steht in dem neuen Dokument?
Dabei fallen mehrere Themen auf.
Erstens: die Darstellung des Angriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023. Das Dokument stellt das Massaker der Hamas als Ergebnis jahrzehntelanger Ungerechtigkeit und Blockade dar und argumentiert, dass Israel keinerlei Anspruch auf Selbstverteidigung erheben könne, wobei es die Frage aufwirft, wieso sich ein Kolonisator gegen diejenigen verteidigen könne, die er kolonialisiert habe. Es enthält zwar einen kurzen Vorbehalt, dass der Kontext die Tötung oder Gefangennahme von Zivilisten nicht rechtfertigt, doch die allgemeine Darstellung behandelt den tödlichsten Angriff auf das jüdische Volk seit dem Holocaust als eine verständliche Folge der Existenz Israels und nicht als eine Gräueltat, die an sich zu verurteilen ist.
Zweitens: die Theologie des Widerstands. Das Dokument hüllt den politischen Kampf in die Sprache des Glaubens und erklärt, dass das Festhalten an Glauben und Hoffnung Widerstand sei, dass Gebet Widerstand sei und dass der Schutz der heiligen Stätten Widerstand sei. Es bekräftigt das, was es als Recht aller kolonialisierten Völker bezeichnet: sich gegen ihre Kolonisatoren zu wehren. Wenn Widerstand als göttliche Berufung dargestellt wird, während Terrorismus weder erwähnt noch verurteilt wird, sollten Gläubige kritische Fragen stellen.
Drittens: der Umgang mit Antisemitismus. Anstatt sich mit dem in der eigenen Geschichte verankerten Antisemitismus auseinanderzusetzen, verurteilt das Dokument diejenigen, die den Vorwurf des Antisemitismus erheben, und stellt solche Bedenken als Taktik dar, palästinensische Stimmen zum Schweigen zu bringen. Es lehnt weithin anerkannte Rahmenwerke zur Identifizierung von Antisemitismus ab, darunter die Arbeitsdefinition der „International Holocaust Remembrance Alliance“, und erhebt sich sogar zum Richter darüber, was als echter Antisemitismus gilt.
Viertens: sein Urteil über Israel selbst. Das Dokument beschränkt seine Vorwürfe nicht auf bestimmte politische Maßnahmen oder Grenzen. Es beschreibt den 1948 gegründeten Staat Israel als Fortsetzung eines kolonialen Unterfangens, das auf Rassismus und Vorstellungen ethnischer oder religiöser Überlegenheit beruht, und wendet Begriffe wie Völkermord, Apartheid und ethnische Säuberung auf die bloße Existenz des jüdischen Staates an. Mit anderen Worten: Dies ist keine Kritik an einer Regierung. Es ist eine Leugnung des Existenzrechts Israels.
Schließlich die Marschbefehle für die Kirche. Das Dokument fordert die Kirchen auf, ihre Regierungen dazu zu drängen, Israel zu isolieren, Sanktionen zu verhängen, es zu boykottieren und Waffenexporte zu verbieten. Es geht sogar noch weiter und fordert die Kirchen nachdrücklich auf, den Dialog mit jedem zu verweigern, den es als zionistische Stimme bezeichnet. Dies ist die Agenda von Boykott, Desinvestition und Sanktionen, die als religiöse Pflicht dargestellt wird, und sie fordert die Christen auf, ihren jüdischen Nachbarn die Tür zu schließen, anstatt sie zu öffnen.
Warum Gläubige in den USA und Großbritannien aufmerksam sein sollten
Dies ist keine weit entfernte Kontroverse. Drei christliche Organisationen – die Presbyterianische Kirche der USA, die „United Methodists for Kairos Response“ und die „Friends of Sabeel North America“ – haben einen Studienleitfaden für Gemeinden erstellt, der auf „Kairos Palestine II“ basiert und dieses Jahr rechtzeitig zur Fastenzeit veröffentlicht wurde. Das bedeutet, dass dieses Dokument nicht in Bethlehem bleibt. Es wird für Kleingruppen, Sonntagsschulklassen und Kirchenvorstände in genau jenen Ländern vorbereitet, in denen so viele von euch leben und Gottesdienst feiern.
Wir teilen dies nicht, um euch zu beunruhigen, sondern um euch zu wappnen. Die Heilige Schrift ruft uns dazu auf, alles zu prüfen und das Gute festzuhalten (1. Thessalonicher 5,21). Wenn ein Dokument erscheint, das in der Sprache des Glaubens, der Gerechtigkeit und des Friedens gekleidet ist, werden viele aufrichtige Gläubige es guten Gewissens annehmen, ohne jemals etwas über seine Entstehungsgeschichte oder seine Ziele zu erfahren. Ihr könnt derjenige in eurer Gemeinde sein, der Bescheid weiß. Ihr könnt fragen, woher der Studienleitfaden stammt, was seine Autoren über das jüdische Volk sagen, und ob seine Theologie Raum für Gottes beständigen Bund mit Israel lässt.
„Lasst euch von keinem Menschen täuschen. denn viele werden unter meinem Namen auftreten …“
Matthäus 24,4–5
Im Vereinigten Königreich ist die Entwicklung noch einen Schritt weiter gegangen. Die Generalsynode der „Church of England“ stimmte mit überwältigender Mehrheit dafür, die Auseinandersetzung mit dem Kairos-II-Dokument zu fördern. Fairerweise muss man sagen, dass die Synode nicht dafür gestimmt hat, dessen Schlussfolgerungen zu billigen; sie bekräftigte vielmehr, dass das Dokument als faire Darstellung der Sichtweise der meisten palästinensischen Christen Gehör verdient. Diese Unterscheidung ist wichtig, ging jedoch in der darauffolgenden Empörung weitgehend unter. Jüdische Gruppen in Großbritannien, christlich-zionistische Organisationen und eine Reihe protestantischer Pastoren verurteilten diesen Schritt scharf. Wir halten dies für einen schwerwiegenden Fehler. Wenn eine historische Kirche erklärt, dass ein Dokument voller Verzerrungen Gehör verdient, verleiht sie diesem Dokument eine Legitimität, die es aber nicht verdient, und schadet damit der Glaubwürdigkeit eben jener Heiligen Schrift, zu deren Wahrung die Kirche berufen ist.
Wo „Vision für Israel“ steht
Manchmal werden wir gefragt, warum wir in diesem Konflikt Partei ergreifen. Gibt es nicht auf beiden Seiten Missstände? Unsere Antwort ist einfach: Wir stehen auf der Seite der Wahrheit. Jeschua sagte: „Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Ohne mich kann niemand zum Vater kommen. (Johannes 14,6). Kaum etwas verändert das Leben eines Gläubigen mehr, als sich das zu verinnerlichen. In jeder Situation, in der ein Christ entscheiden muss, wo er steht, ist es immer richtig und niemals falsch, auf der Seite der Wahrheit zu stehen. Und ein Dokument, das auf Verzerrungen, Verleumdungen und alten Irrlehren basiert, die in neue Sprache gekleidet sind, ist nicht die Wahrheit.
Seit mehr als dreißig Jahren stützt sich „Vision für Israel“ auf eine einfache Überzeugung: Gott hält seine Verheißungen. Sein Bund mit dem jüdischen Volk wurde nicht widerrufen, und sein Wort an Abraham gilt nach wie vor: „Wer dir Gutes wünscht, den werde ich segnen.“ (1. Mose 12,3). Wir lehnen die Ersatztheologie und jede Lehre ab, die die Verbindung des jüdischen Volkes zu seiner angestammten Heimat ausblendet oder dessen Delegitimierung mit dem Mantel des Glaubens verschleiert.
Unsere Antwort auf Dokumente wie dieses ist weder Zorn noch Verzweiflung. Es ist gelebte Liebe. Jede Woche steht unser Team jüdischen und arabischen Familien gleichermaßen zur Seite, versorgt die Hungrigen mit Essen, kleidet die Armen, steht den Überlebenden von Terroranschlägen bei und tröstet die Gebrochenen. Das ist unser Widerstand: Der Widerstand gegen die Finsternis mit Licht und gegen Lügen mit der Wahrheit, die sich in Taten ausdrückt.
Wir möchten auch ein Wort über unsere palästinensischen christlichen Brüder und Schwestern sagen. Viele von ihnen sehnen sich nach Frieden, Würde und einer Zukunft für ihre Kinder, und wir beten ohne zu zögern für sie. Sie zu lieben bedeutet nicht, Israel zu hassen, und Israel zu lieben bedeutet nicht, sie zu ignorieren. Das Evangelium ist groß genug, um Mitgefühl für beide Völker zu haben, und es drückt sich in jeder einzelnen gütigen Tat aus. Das ist der Weg, den wir wählen.
Wir laden Euch ein, auf zweierlei Weise zu reagieren. Erstens: Betet. Betet für den Frieden Jerusalems, für die Kirche in den Nationen und für palästinensische Christen, die sich nach einer anderen Stimme sehnen. Zweitens: Steht uns mit praktischer Nächstenliebe zur Seite. Eure Spende hilft uns, dem Volk Israel weiterhin mit Nahrung, Hilfe und Hoffnung beizustehen – in einer Zeit, in der es vor der ganzen Welt verleumdet wird. Ihr könnt noch heute HIER spenden.
Die Wahrheit braucht Zeugen. Danke, dass Ihr solche seid.
Shalom und Gottes Segen,
Barry & Batya Segal




